Berlin, 28.01.2026 – 1,5 Millionen Menschen nutzen in Deutschland bereits tabakfreie Nikotin Pouches – doch weil sie nicht legal in Verkehr gebracht werden, läuft der Handel zu großen Teilen über den Graumarkt. Das Ergebnis: Null Kontrolle, Jugendschutz schwer durchsetzbar – und ein Milliardenloch beim Staat.
Eine neue Steuerschätzung des Consumer Choice Center zeigt: Würden Nikotin Pouches legal verkauft und sauber besteuert, könnte der Staat jährlich hunderte Millionen Euro einnehmen – im Wachstumsfall sogar knapp 1 Milliarde Euro pro Jahr.
„Deutschland schaut beim Graumarkt zu – und lässt Milliarden liegen. Das ist komplett absurd“, sagt Fred Roeder, Co-Autor der Analyse. „Wer Jugendschutz ernst meint, muss den Markt aus der Schattenzone holen: legalisieren, regulieren, besteuern.“
„Wir haben hier einen realen Markt mit realen Konsumenten – aber ohne klare Regeln und ohne Steuereinnahmen“, ergänzt Bill Wirtz, Co-Autor. „Das kann sich Deutschland angesichts knapper Kassen schlicht nicht leisten.“
Die Zahlen: So viel Geld geht dem Staat durch die Lappen
- 2026: 311–368 Mio. € möglich (je nach Steuersatz-Szenario)
- 2027: 466–552 Mio. €
- 2028: 629–745 Mio. €
- 2029: 754–894 Mio. €
- Kumuliert 2027–2029: 1,85–2,2 Mrd. € Steuerausfall, solange der Markt weitgehend illegal bleibt

Was könnte man mit dem Geld machen?
Allein 2027 (466–552 Mio. €) ließen sich einige staatliche Leistungen finanzieren – z. B. rund 31–37 % des jährlichen Bundeszuschusses zum Deutschlandticket (1,5 Mrd. €/Jahr).
Oder 20 bis 90 Kilometern Autobahn-Neu- oder Ausbau (je nach Gelände und Komplexität; 6–20 Mio. €/km).
Der Trend: Weniger Zigaretten – mehr Alternativen
Deutschland erlebt seit Jahren einen Rückgang im langfristigen Zigarettenkonsum. 2025 wurden 66,4 Mrd. Zigaretten versteuert (nur +0,2 % zu 2024) – aber weit weniger als 1991 (146,5 Mrd.). Pro Kopf waren es 795 Zigaretten (1991: 1.831). Gleichzeitig steigen die Alternativen: Die versteuerten Tabak-Substitute (z. B. Liquids für E-Zigaretten) lagen 2025 bei 1,5 Mio. Litern – +18,2 % zum Vorjahr.
Fazit: Graumarkt beenden – Jugendschutz durchsetzen – Steuern einnehmen
Die Studie bringt es auf den Punkt: „Deutschland kann den Graumarkt nicht wegignorieren.“
Das Consumer Choice Center fordert einen klaren Rechtsrahmen mit drei Eckpfeilern:
- Legalisierung & Zulassungspfad (Produktmeldung, Inhaltsstoffregeln, Marktüberwachung)
- Strikter Jugendschutz (Verkauf 18+, Altersverifikation auch online, harte Sanktionen)
- Nikotinstärke begrenzen & besteuern (z. B. max. 20 mg pro Pouch + Steuer und MwSt.)
Methodik: Die Kalkulation basiert u. a. auf 1,5 Mio. Nutzern (2026), 8 Pouches pro Tag, Preis 6 € pro Dose, 19 % MwSt. sowie Steuersatz-Szenarien nach Schweden/Italien/Österreich.

